Die #ZukunftderArbeit kommt – und das ist auch gut so

Die #ZukunftderArbeit (aka Arbeit/en 4.0) kommt, unaufhaltsam – egal was wir von ihr halten. Sie ist Revolution und Evolution. Sie nimmt keine Rücksicht und kann uns zugleich neue Perspektiven eröffnen, zumindest wenn wir aufhören, nur über sie zu sprechen und beginnen sie aktiv zu gestalten. Unsicher ist: Wie die #ZukunftderArbeit tatsächlich aussieht. Sicher ist: Anders als bisher!

Wir haben es in der Hand die #ZukunftderArbeit mit einem klaren Fokus auf die menschliche Bedürfnisse zu gestalten, wenn wir unsere Haltung und Lebensart aktiv in diese Entwicklung einbringen. Lassen wir die Chancen ungenutzt verstreichen, steigt das Risiko, dass mit Arbeit 4.0 der Mensch gegenüber den reinen Marktkräften und den Algorithmen weiter verliert.

In den letzten Monaten haben sich 18 Autoren im Nachgang des BarCamps Arbeiten 4.0 Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte, unter welchen globalen Rahmenbedingungen wir arbeiten werden und welche ethischen Fragen mit dem Wandel der Arbeitswelt verbunden sind.

 

Konservativer Korporatismus verhindert das digitale Deutschland

Um aber die #ZukunftderArbeit im Sinne der einzelnen Menschen gestalten zu können, ist es an der Zeit zu realisieren, dass die technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen unseres globalen Arbeitsumfeldes auch in Deutschland ein Überdenken tradierter Denk- und Sichtweisen in allen Bereichen der Arbeitsmärkte bedingen. Wir sollten uns von den althergebrachten Sichtweisen der Lobbyverbände an den beiden Polen des Arbeitsmarktes verabschieden. In Deutschland misstrauen viele der disruptiven Kreativität. Ihre Möglichkeiten sind weithin unbekannt. So entsteht Angst vor Verlusten und Neuordnungen, die alte Strukturen aus den Angeln zu heben vermag. Als Reaktion darauf bleibt die Mehrheit der Firmen einem konservativen Korporatismus des rheinischen Marktwirtschafmodells treu.

New Digital Deal

Die Digitalisierung lässt zunehmend neue Formen entstehen über die wir unsere Wahrnehmungen und Befindlichkeiten ausdrücken. So bekommt die Zivilgesellschaft eine veränderte Stimme und ein neues Gesicht. Menschliche Digitalisierung der Arbeit verlangt unter anderem Authentizität, Selbstbestimmung sowie Teilhabe. Die #ZukunftderArbeit braucht die Ressource der Intelligenz der Menschen. Dazu gilt es, die gute alte hierarchische Ordnung zu überdenken. Denn wo im Netzwerk gearbeitet wird, stören Freigabeprozesse nur. Zudem wird in Netzwerken eine natürliche Führungsstruktur wirksam, die sich nicht selbstreferentiell verhält und damit weniger verwundbar oder anfällig zeigt. Das hebelt die bisher auf dem Arbeitsmarkt stillschweigend übliche Massenvereinbarung – Gehorsam gegen Entgelt – aus. Die damit sinnvoll verbundene Neuverteilung der Erträge kommt einer Revolution gleich.

Der „Neue Digitale Deal“ ermöglicht den Menschen auch in ihrem Arbeiten endlich die Freiheit, die die Digitalisierung für sie bereit hält und die sie im privaten Umfeld in vielfältiger Weise bereits heute schon intensiv nutz. Er macht das gegen das Interesse der Wahrer und der Bedenkenträger. Um die weitere Öffnung der Schere zwischen “privater- und arbeitsbezogener Freiheit” zu vermeiden, braucht es aus Politik und Wirtschaft eine breit initiierte Agenda “2030”, die den Umgang zwischen uns Menschen, den Organistaions- und Führungsstrukturen in denen wir Arbeiten und der digitalen Technik sinnvoll sowie wertbasiert verortet.

Digitale Transformation steht nur auf einem kulturellen Fundament stabil

Transformation bedeutet im Zuge dieses Digital Deals, über das Bestehende hinauszukommen, den nächsten logischen Schritt der Freiheit zu gehen, auf eine neue Stufe zu gelangen, den Status Quo hinter sich zu lassen. Mit Reförmchen gibt man die Chancen der Digitalisierung unserer Arbeit von vorne herein verloren. Neues Denken versteht die digitale Technik als Kulturtechnik. Die digitale Transformation beinhaltet immense Auswirkungen wie auch Potenziale – gerade für Deutschland. Bei den schlagkräftigen, etablierten Akteuren stehen weiterhin wohlfeile Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse im Vordergrund vor echtem Innovieren, womit diese die globalen Treiber der Entwicklung negieren und Deutschland in Richtung eines digital-sozialen Entwicklungslandes vor sich hindümpeln lassen.

Die #ZukunftderArbeit verlangt von uns – neben den technischen Aspekten der Digitalisierung – vielfältige ethische Herausforderungen zu lösen. Wir fordern von Unternehmen, hier glaubwürdige Antworten anzubieten. Nur so können sie, wenn überhaupt, im globalen War for Talents bestehen.

Vorurteile gegenüber digitalen Möglichkeiten abbauen

Wir brauchen den Mut, evolutionär und transformativ zu denken und Neues zu wagen. Das Bildungssystem ist derzeit Teil des Problems und nicht der Lösung. Hier bedarf es grundlegender Änderungen, damit sie substanzielle Beiträge zur Entfaltung der digitalen Potenziale leisten können und so große Teile der Bevölkerung erst an digitalen Chancen und Mehrwerten teilhaben lassen können. Die jüngeren Generationen wachsen bereits mit dieser neuen Kulturtechnik auf. Gleichzeitig halten sie auch weiterhin in Europa an diesen überholten Modellen fest, weil sie beständig mit den Vorbehalten konfrontiert werden. Jüngere Menschen in anderen Gesellschaften werden innovativer mit den Potenzialen verfahren können.

Soziale Sicherungs- und Steuersysteme neu denken

Der veränderte Umgang mit sozialen Systemen und die Entstehung neuer Steuerlogiken folgen zwangsläufig aus dem grundlegenden Wandel des Faktors “Arbeit” in der Wertschöpfung. Etliche Studien zeigen, dass die Digitalisierung jede Einkommenshöhe und jedes Qualifikationsniveau treffen kann.

Wird der Algorithmus und der Roboter der verlängerte Arm des Beschäftigten, fallen große Teile des Arbeitsmarktes durch die digitale Disruption weg und verlieren nationale Steuergrenzen in einem komplett globalisierten Wirtschaftssystem ihre Wirkung.

Es macht demnach Sinn, über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und eines supranationalen Steuersystems nachzudenken. Gleichwohl wird auch ein Grundeinkommen nicht die Fliehkräfte einer ungerechten Einkommensverteilung auffangen können. Hier bedarf es fundamental neuer sozialer Gesellschaftsdiskurse.

Gegen German Googlephobia in der Politik

Ein nationalstaatlicher Protektionismus im Politikfeld der Digitalisierung – Stichwort German Googlephobia – ist keine wirksame Handhabe gegen digital induzierte und disruptive Innovationen. Gesetze verhindern keine Ideen, deren Zeit gekommen ist. Die Welt um uns herum bewegt sich bereits in der Transformation der Arbeit. Mit oder ohne uns. Stillhalten heißt, dass Deutschland sich abhängen lässt.

Verschlafen wir die #ZukunftderArbeit einfach weiter, übernehmen andere die Verantwortung dafür. Wir verkommen dann zu einer Randerscheinung globalen Fortschritts. Den Weg von einer führenden Wirtschaftsnation zum Dritt-(Arbeits-)Welt-Land verkürzt die global dynamische Komplexitätssteigerung ebenso wie die stattfindende weltweite Digitale Transformation rapide. Oder aber weiter gedacht: Inwiefern ein nationalstaatlicher Wettbewerb heute überhaupt noch zeitgemäß erscheint, sollte in den politischen Kreisen des föderal zersplitterten Landes umfänglich diskutiert werden.

Megatrends verlangen nach einer Politik 2.0 und nach digitalen Bürgern

Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte an der Schwelle, dass künstliche Intelligenz unsere Arbeit in allen Lebensbereichen übernehmen kann. Damit stehen wir mehr als je zuvor am Scheideweg menschlichen Wirtschaftens. Wir können auf 100% Technisierung setzen und uns (soziale abgefedert) aus dem Produktions- und vielen Serviceprozessen zurückziehen oder die Maschinen und Computer weiter nutzen, um in den humanen Nischen noch besser zu werden: Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Oder wir können weiter den Kopf in den Sand stecken. Dann entscheiden eben andere über unsere Zukunft.

Wir plädieren für einen offenen Umgang mit der digitalisierten Arbeit. Die nächste Generation fragt uns dann mit Recht: Warum ward ihr die erste Generation, die den Schritt in die Zukunft verweigerte – aus reiner Angst vor der Wirksamkeit der Vielen? Die rein menschliche, analoge Arbeitskraft führte uns zur ungehemmten Ausbeutung von uns selbst und unseren natürlichen Ressourcen. Was ist dagegen einzuwenden, wenn uns künftig Algorithmen vor diesen selbstzerstörerischen Handlungen warnen? Wenn wir auf digitalem Weg, mit der Kreativität der Vielen, unabhängig von überkommenen nationalstaatlichen Grenzen und Denkräumen die globalisierten Herausforderungen der Menschheit anpacken?

– “Imagine … It’s easy if you try” by John Lennon –

Wir danken allen Autoren der Proklamation für ihre Beiträge und damit ihren engagierten Einsatz über das ursprüngliche BarCamp-Format hinaus. Wir konnten damit nicht nur über die Prinzipien der Zukunft der Arbeit – Transparenz, Kollaboration, Hierarchiefreiheit Partizipation – sprechen sondern diese während der Erstellung des Papers auch anwenden:

Jörn Hendrik Ast, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Lars M. Heitmüller, Sabine Jank, Sarah Kebbedies, Anke Knopp, Roland Panter, Nicola Peschke, Medje Prohm, Andre Schleiter, Gunnar Sohn, Sarah Staffen, Anja C. Wagner, Jan Westerbarkey, Birgit Wintermann, Ole Wintermann und Annette Wittke.

Darüber hinaus gilt unser Dank auch der Lektorin Esther Debus-Gregor für ihre Unterstützung beim Zustandekommen der Publikation.

8 Gedanken zu „Die #ZukunftderArbeit kommt – und das ist auch gut so

  1. mark

    mmh, der skizzierte entwurf einer digital economy erscheint wahrscheinlich, bleibt jedoch wage.
    letztlich so wage wie allseits poltikerbekenntnisse und verliert dadurch an glaubwürdigkeit.

    was hingegen fehlt ist die konkrete beschreibung der erforderlich randbedingungen:

    wie sollte ein honorarmodell jenseits standardeinkommensmodelle aussehen?
    wie sind vertragsbeziehungen zu gestalten?
    etc.

    trotzdem: interessante vision

    degard

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    1. Ole WintermannOle Wintermann Artikelautor

      Hallo Mark,

      danke dir für die Rückmeldung.

      In der Tat muss der Entwurf wage bleiben, da wir – der Materie geschuldet – noch nicht auf jahrelange Erfahrungen und quantitative Studien zurückgreifen können. Vieles in der öffentlichen Debatte bewegt sich auf Ebene von Einzelfällen und anekdotischen Erzählungen. Ich glaube aber, dass dies an sich eine Folge der Digitalisierung der Arbeitswelt ist; die digitale Entwicklung ist so dermaßen dynamisch, dass keine Zeit mehr bleibt, um mit klassischen politischen und betriebswirtschaftlichen Steuerungslogiken vorzugehen.

      VG
      Ole

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  2. Pingback: Die Zukunft der Arbeit ist Online | Edyssee

  3. Andreas Lange

    Selten einen Text mit so einer großen Anzahl buszzords und Hohlphrasen gelesen. Wirst du dafür bezahlt? Ohne ein Technikfeind zu sein, lässt sich deine gesamte Argumentation mit umgekehrten Vorzeichen auf diejenigen Arbeitsfelder anwenden, die nicht digitalisierbar sind. Schön wäre ein Analyse, wieviele Menschen niedriger Bildung und Fähigkeiten auf der Strecke bleiben werden und wie ihre Domestizierung zu bewerkstelligen sei. Deine Texte haben eine aufreizende Naivität an sich, deren Lauterbarkeit ich anzweifle.

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    1. Andreas Lange

      Ich überlege, ob deine Tätigkeit des Lobbyismus für die totale Digitalisierung nicht auf sich selbst anwendbar wäre – dann könntest du doch durch ein Program 4.0 substituiert werden. 🙂

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    2. Ole WintermannOle Wintermann Artikelautor

      Hallo Andreas,

      schade, dass du wie schon in deinem ersten Kommentar nicht an einer ernsthaften Diskussion interessiert scheinst. Ich habe dich auf die Tätigkeit der OpenGov-Bewegung hingewiesen. Äußere gern Kritik an konkreten Aussagen. Mit solchen Pauschalierungen wie in deinem zweiten Kommentar kann ich leider nichts anfangen.

      VG
      Ole

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  4. Ursula

    Ich danke dir und den Autoren für das super Buch und die verschiedenen Perspektiven. Genau das, was Guido Bosbach proklamiert: ein erster Schritt bestünde darin an Hochschulen Freiräume zu schaffen, innerhalb derer sämtliche Stakeholder gemeinsam in moderierten Formaten an täglichen Problemen arbeiten, machen wir seit 2003. Wir haben an der TU Dortmund eine IDfactory etabliert, die überfachlich und außeruniversitär die verschiedensten Akteure bündelt in einer alten Chemiehalle, um an innovativer Kompetenz zu arbeiten. Wir nennen das Wegdenken. Wir verbinden künstlerisches Denken mit wirtschaftlichr Zukunft. Innerhalb der Universität wird das teils aufmerksam, teils feindlich wahrgenommen. Keinesfalls mainstream. Die Studierenden sind begeistert. Und ich bin begeistert von Eurem Buch! Ist wie eine Oase in sandiger Wüste! Schau mal: http://www.id-factory.de
    herzlich UB.

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