Archiv für den Autor: Ole Wintermann

Ole Wintermann

Über Ole Wintermann

Dr. Ole Wintermann hat für die Bertelsmann Stiftung die Plattform Futurechallenges.org aufgebaut. Er ist Co-Founder der Menschenrechtsplattform www.weye.info und befasst sich mit der Fragen der Globalisierung, der Demografie, der Freiheit des Netzes und der Zukunft der Arbeit. Als Blogger findet man ihn auf www.globaler-wandel.eu, www.arbeiten4punkt0.org und www.netzpiloten.de Auf Twitter kann man ihn unter @olewin folgen. Alle weiteren Infos finden sich hier: https://about.me/olewintermann

#wirfürHannes

Heute beherrschte in Deutschland ein Hashtag auf Twitter: #wirfürHannes“. Viele Menschen in den sozialen Medien waren perplex, dass in ihrer Timeline mit diesem Hashtag immer wieder ein Mensch auftauchte, von dem sie zuvor noch nie gehört hatten.

#wirfürHannes stand für die Suche nach Johannes Korten, der über seinen Blog und Twitter heute Morgen mitteilte, dass er des Lebens müde sei – und es dann beendete. Johannes Korten war Autor u.a. auf unserem Blog. Wir sind schockiert und sehr traurig.

Ich habe heute immer wieder versucht, mich in die Köpfe der Menschen, die Johannes nicht kannten, hinein zu versetzen. Sie werden sich sicher gefragt haben, wieso das soziale Netz in Deutschland heute durch einen Namen einer Person bestimmt wird, die kein Politiker, bekannter Musiker oder Sportler gewesen ist. Sie werden sich sicher gefragt haben, was dieser Mann geleistet haben muss, dass ihm durch so viele Menschen Mitgefühl und positive Emotionen entgegen gebracht wird.

Vor etwa 5 Jahren bin ich Johannes zum ersten Mal begegnet. Wir saßen auf einem Podium und diskutierten miteinander Fragen der Unternehmenskultur; wie Unternehmen mit den Menschen, die in ihnen arbeiten, umgehen, wie Arbeitnehmer authentisch bleiben können, wie dieselbe Augenhöhe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hergestellt werden könnte.

Diese Panels werden eigentlich stets von Menschen besetzt, die auf der Bühne eine Rolle einnehmen, eine Rolle, die von ihnen erwartet wird, da sie das Unternehmen oder die Institution XY vertreten. Da er für eine Bank gearbeitet hat, erwartete ich auch von ihm die Rolle des Bankenvertreters. Dann aber sprach da plötzlich der Mensch Johannes. Johannes war ganz er selbst. Das hat mich unmittelbar und tief beeindruckt.

Dem Menschen Johannes bin ich dann die folgenden Jahre über Facebook und seine Blogbeiträge gefolgt. Immer wieder haben mich seine zutiefst menschlichen Einwürfe zu verschiedenen Themen beeindruckt. Johannes hatte die Gabe, seine Perspektiven immer sehr bildlich und genau beschreiben zu können. Johannes versteckte sich nicht (wie viele von uns) hinter seiner Rolle (als Bankmitarbeiter), es gab immer die ungefilterten und ungeschützten Gedanken des Menschen Johannes zu lesen. Er schrieb aber nicht nur über seine Mitmenschen, er handelte auch in ihrem Sinne. Johannes half im letzten Jahr einer in Not geratenen Familie unter dem Hashtag #EinBuchfürKai, indem er sich über Wochen hinweg in den Medien engagierte.

Ich fragte Johannes im letzten Jahr, ob er nicht einen Beitrag für diesen Blog schreiben wolle; er wählte das Thema Vereinbarkeit. Der Text wurde zum erfolgreichsten Beitrag im Zuge des BarCamps. Die Erklärung liegt auch hier auf der Hand. Erneut war es der Mensch Johannes, der über Probleme schrieb, die uns alle bewegen. Er nahm uns mit auf seine Reise dahin, wir er sich Vereinbarkeit vorstellte.

Zuletzt unterstützte Johannes eine Kampagne für eine Knochenmarkspende in unserem Freundeskreis.

Diese drei Beispiele, die nur stellvertretend für das Wirken von Johannes stehen, sollen Lesern, die Johannes nicht kannten, eine Erklärung dafür geben, was für ein Mann er war. Warum so viele Menschen heute Vormittag gebangt und versucht haben, ihn zu finden. Ihm Hilfe angeboten haben und ihn davon überzeugen wollten, nicht aufzugeben.

Johannes hatte immer ein offenes Ohr für sein Gegenüber, hatte immer Bereitschaft zur Hilfe signalisiert. Vielleicht war ist diese Bürde zu schwer geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Ohren für ihn offen genug waren, ob wir, die wir ihn gekannt haben, alles getan haben, um auch ihm zu helfen.

Die Welt hat einen tollen Menschen verloren. Wir werden ihn vermissen.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

 

Das Projekt-Team “Zukunft der Arbeit”

Umfrage unter regionalen Akteuren zur Zukunft des Lebens und Arbeitens auf dem Lande

Während jahrelang sowohl in den deutschen Medien als auch der deutschen Regionalpolitik das  Gefahrenszenario der aussterbenden ländlichen Regionen an die Wand gemalt wurde, deutet sich gegenwärtig und für die Zukunft eine schrittweise Abkehr von dieser so altbekannten Art, auf die ländlichen Regionen zu schauen, an.

Die Digitalisierung unseres Lebens und unseres Alltags bringt nicht nur einen wirtschaftlichen Strukturwandel mit, der das sogenante Sterben der Innenstädte befördert sondern hat leise und nahezu unbemerkt bereits zu einem veränderten Verhältnis von Land und Stadt geführt. Die Gründe, in der Stadt zu arbeiten, dort einzukaufen oder sich zu treffen nehmen in Folge der Digitalisierung immer mehr ab. Arbeiten kann mobil von zuhause (auf dem Lande?) aus erfolgen (erste ländliche Coworking-Räume haben sich bereits gebildet), regional beheimatete Einzelhändler können plötzlich ihren potenziellen Absatzmarkt mit Hilfe des Netzes vervielfachen, Arzt-Termine können auch via Video-Call erfolgen und der Stress- und Lärmpegel auf dem Land ist deutlich niedriger. Warum sollte also nur in den Städten die Zukunft zu finden sein?

Die Initiative “Digitale Region“, initiiert vom Internet und Gesellschaft Collaboratory und dem Verein Unternehmen für die Region, wird sich in den anstehenden Monaten mit diesem neuen Blick auf die ländlichen Regionen befassen. Partnerregionen unserer Initiative sind dabei die Gemeinde Wennigsen und die Region Augsburg.

Im Zuge der Initiative, die auch vom Projekt “Zukunft der Arbeit” (uns) unterstützt wird, wurde nun ein Fragebogen online gestellt, der sich an die regionalen Akteure aus der Wirtschaft und Politik richtet. Es wird in dem Fragebogen abgefragt, in welcher Weise bereits Aktivitäten zu oder Diskussionen über diese neuen Perspektiven erfolgen und ob regionale Netzwerke hier schon erfolgreich gewesen sind.

Alle Interessierten aus allen Regionen Deutschlands sind herzlich eingeladen, sich an der Umfrage zu beteiligen. Die Ergebnisse werden zeitnah (und anonymisiert) veröffentlicht, um den Akteuren vor Ort als Wissensbasis für die eigene Arbeit zu dienen.

Falls Fragen bestehen, wendet euch bitte gern auch direkt an mich unter ole.wintermann@bertelsmann-stiftung.de

–> Hier geht es zur Umfrage.

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Augenhöhe-Projekt: #OWL Film über die #ZukunftderArbeit!

Vor einigen Monaten hat das Augenhöhe-Projekt den Nerv der Zeit getroffen, als es darum ging, in der Dokumentation gute Unternehmensbeispiele zu zeigen, in denen Arbeitnehmer wertgeschätzt und auf Augenhöhe von ihrem Arbeitgeber behandelt werden. Scheinbar scheint in deutschen Unternehmen bei diesem Thema Einiges im Argen zu liegen. Gerade aber in Zeiten der Digitalisierung der Arbeitswelt kommt es mehr denn je darauf an, die Menschen in den Angestellten und nicht nur die Produktionsfaktoren in ihnen zu sehen. Arbeitgeber, die das rechtzeitig erkennen, werden mehr Chancen haben, die digitale Disruption zu meistern.

Das Augenhöhe-Projekt geht jetzt in die Regionen. Ostwestfalen-Lippe ist ein idealer Standort für ein solches regionalisiertes Projekt. Wir freuen uns, wenn wir das Ansinnen unterstützen können und geben im Folgenden den Aufruf wieder.

„Wie möchten Sie in Zukunft arbeiten?“ „Was sind die Werte der neuen Arbeitswelt?“ „Was bedeutet AUGENHÖHE?“ Diese Fragen möchte das fünfköpfige Augenhöhe Regionalteam mit einem Dokumentarfilm in der Region Ostwestfalen-Lippe beleuchten. Noch in diesem Jahr soll der Film Realität werden und Ende 2016 Unternehmen, Verbänden, Schulen, Hochschulen, Kinos und Interessierten zur Verfügung stehen, damit Menschen dazu ins Gespräch kommen. Die Weichen dafür sind gestellt. ABER um das Projekt realisieren zu können, startet ab dem 26.02.2016 auf der Crowdfunding-Plattform www.startnext.com die Start- und Finanzierungsphase. Ab diesem Zeitpunkt kann das OWL Film-Projekt unterstützt um zum Erfolg verholfen werden.

ZIEL des Projektteams ist es, mit einer erfolgreichen Crowdfunding Kampagne und anschließender Filmdokumentation, Unternehmen aus OWL unterschiedlicher Branchen und Größen darzustellen, in denen die neue Arbeitswelt bereits gelebt wird, mit den Menschen, die diese aktiv mitgestalten. Der Film soll berühren, inspirieren und Mut machen, sich neuen Denkmodellen zu öffnen – in einer Zeit, in der Bedürfnisse und Werte wie Selbstbestimmung, Partizipation und Potenzialentfaltung wichtige, menschliche und erfolgsbringende Aspekte sind. Eine echte Herzensangelegenheit!

Warum OWL? Weil in der starken Wirtschaftsregion Ostwestfalen-Lippe ein großes Potenzial liegt. Basierend auf Vertrauen, Verantwortung und Nachhaltigkeit. Und das Regionalteam ebenfalls aus OWL stammt – dort lebt und arbeitet. AUGENHÖHE wird bereits von einer aktiven Community erfolgreich in die Welt getragen. 

Filmdreh team

Gesellschaft und Arbeitswelt im Wandel

AUGENHÖHE hat nichts mit körperlicher Größe zu tun, sondern mit Haltung und persönlicher Einstellung. AUGENHÖHE ist eine Chance, die gesellschaftlichen Entwicklungen in die Arbeitswelt zu übertragen – so, dass am Ende alle davon profitieren. Ist das mit unternehmerischen Denken vereinbar? Ja! Denn Begegnungen auf Augenhöhe öffnen den Dialog zwischen Menschen und schaffen positive Ergebnisse.

Dass Ostwestfalen-Lippe verbindet und gut vernetzt ist zeigt sich dadurch, dass viele Menschen bereits aktiv die Augenhöhe-Community unterstützen und sich die Realisierung des Film-Projektes AUGENHÖHEregional OWL wünschen.

Folgen Sie AUGENHÖHEregional OWL auch auf Facebook, Twitter, Xing.


Pressekontakt
:

Sandra Wilms
info@sandra-wilms.de
Mobil +49 170 46 46 185

Co-Working-Spaces: Leben und Arbeiten auf dem Lande

In dieser Woche war der @isarmatrose bei uns im Hause und hat von seinen Reisen durch Europa berichtet, auf denen er etliche Co-Working-Spaces besucht und genutzt hat. Co-Working-Spaces sind ein wesentlicher Bestandteil der #ZukunftderArbeit, weil damit neue Formen der Zusammenarbeit, der Auflösung der Grenzen zwischen in- und extern und des agilen Projektmanagements einhergehen. In Deutschland beginnt diese Form der Arbeit erst gerade bekannt zu werden.

Berlin ist deutschlandweit bisher sicherlich ein HotSpot der Co-Working-Szene. Nicht umsonst wird das St. Oberholz als klassischer Treffpunkt der digitalen Boheme zunehmend Spaces für diese Art der Zusammenarbeit anbieten. Tobias wird das St. Oberholz und Unternehmen, die sich über diese Innovationen des Arbeitsprozesses informieren wollen, dabei unterstützen. Daneben ist Tobias auch weiterhin bei den Netzpiloten.de aktiv. In dem Interview unterhalten wir uns über seine aktuellen Pläne zur Co-Working-Thematik sowie die Potenziale, die diese neue Form des Arbeitens gerade für die ländlichen Regionen in Deutschland bietet.

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Die Zukunft der Arbeit – in digitalen und ländlichen Regionen

Monika Jaskula vom Internet und Gesellschaft Collaboratory hat mich auf die folgende Ausschreibung des Colab zu “Digitalen Regionen”  aufmerksam gemacht, die ich hier im Anschluss gern poste. Die Digitalisierung wird, wenn wir in Deutschland irgendwann eine flächendeckende und international wettbewerbsfähige digitale Infrastruktur haben sollten, “Ländlichkeit” und “Urbanisierung” vollkommen neu definieren. Das Leben auf dem Lande wird in einer digitalen Welt neuen Schwung erhalten, da nahezu alle Gründe zum Wohnen in der Stadt obsolet werden. Wie eine solche digital-ländliche Region aussehen könnte, wird in der unten genannten Initiative diskutiert werden. Jede/r Interessierte ist zum Mitmachen eingeladen.

Hiermit möchten wir Sie auf die 11. und gemeinsame Initiative des Internet & Gesellschaft Collaboratory e.V. und Unternehmen für die Region e.V. unter dem Titel “Digitale Region – Aus dem Land, für das Land” aufmerksam machen, für die Sie sich ab sofort als ExpertIn bewerben können:

Bewerbungsformular für die Initiative

Das Internet & Gesellschaft Collaboratory (kurz: CoLab) ist eine offene Experten- und Interventionsplattform und möchte die Wechselwirkungen zwischen Internet und Gesellschaft unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven mit relevanten Stakeholdern betrachten und diskutieren – interdisziplinär und praxisbezogen. Im Rahmen der CoLab-Initiativen treffen sich ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um in einem begrenzten Zeitraum ein aktuelles Thema zu erörtern.

Unternehmen für die Region e.V. (UfdR) ist ein gemeinnütziger Verein, der als bundesweite Plattform 20 regionale und unternehmensinitiierte Netzwerke vereint, die im interdisziplinären Verbund regionalen Herausforderungen in konkreten Projekten begegnen. Die Frage nach den Auswirkungen des digitalen Wandels auf Geschäftsmodell, Mitarbeiter und Arbeitsorganisation ist für die KMU dabei zentral.

Zur 11. Initiative:

Die fortschreitende Digitalisierung bietet großes Potenzial, ländliche Regionen für die Zukunft zu wappnen und Herausforderungen wie Landflucht, demografischem Wandel und Infrastrukturverfall entgegen zu wirken. Die Initiative “Digitale Region” erarbeitet deshalb konkrete Lösungsansätze in Form von digitalen Strategien und Geschäftsmodellen, mit denen  beispielsweise der Fachkräftemangel reduziert, die Daseinsvorsorge aufrecht erhalten und Lebensqualität in mittleren und kleinen Städten sowie im ländlichen Raum erhalten oder gar verbessert werden kann. Dazu kollaborieren die ExpertInnen erstmalig mit regionalen Netzwerken, die sich mit ihren Stärken, lokalen Strukturen und bereits etablierten Modellen den Chancen des digitalen Wandels öffnen wollen.

Unternehmen und Institutionen können die Initiative zudem als Förderer unterstützen. Genaueres finden Sie hier.

Ab sofort ist es möglich, sich als ExpertIn zu bewerben:

Bewerbungsformular für die Initiative

Alle Informationen finden Sie auch hier:

www.collaboratory.de

http://blog.collaboratory.de/

Wir würden uns sehr über Ihre Bewerbung freuen!

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“HR Inspiration Camp” zur #ZukunftderArbeit am 26. Februar in Bielefeld

Was ist New Work? Wie funktioniert Arbeiten auf Augenhöhe? Welche Ideen und Ansätze gibt es rund um das Thema Arbeiten 4.0? Am 26. Februar dreht sich beim ersten “HR Inspiration Camp” in Ostwestfalen alles um die Frage “Wie werden und wollen wir in Zukunft arbeiten”. Gemeinsam mit Connext / girls4IT, Die Talent-Werker, Trendbrause und ViaCon lädt die Bielefelder Digitalagentur comspace Personalverantwortliche und Arbeitskultur-Interessierte zu Impulsvorträgen, Workshops, Wissensaustausch und Netzwerken ein.

60 Teilnehmer – 3 Impuls-Vorträge – 18 Workshop-Sessions

Nach dem Motto “Mitmachen statt Frontal-Vortrag” bietet das Event rund 60 Teilnehmer_innen eine Plattform, um sich in überschaubarer, produktiver Runde mit anderen Praktikern und Experten auf Augenhöhe auszutauschen. Keynote-Referent und Berater für Unternehmensentwicklung Guido Bosbach startet mit einem Kurzvortrag zur Zukunft der Arbeit. Weitere Impulse und Praxisbeispiele folgen von Buchautor und Cleverheads-Geschäftsführer Martin Gaedt zum Mythos Fachkräftemangel sowie Uwe Lübbermann: Der zentrale Moderator und Gründer des Getränkehersteller-Kollektivs Premium Cola demonstriert eine Unternehmensführung, die konsequent auf Konsensdemokratie setzt.
Anschließend geht es in die Sessionplanung, bei der jeder Teilnehmer ein Thema, eine Frage oder ein Problem vorschlagen kann, das in den moderierten Workshops diskutiert werden soll. Als Gastgeber wird das comspace-Team – Ehrensache – auch eine Session zu den eigenen Erfahrungen in Sachen Arbeitskultur auf Augenhöhe anbieten, die auf modernes Recruiting, Feelgood Management und Familienfreundlichkeit setzt.

Mitmachen? So geht’s

Das HR Inspiration Camp findet am Freitag, den 26. Februar 2016 von 9:30 bis 18 Uhr in den Agenturräumen von comspace, Elsa-Brändström-Straße 2-4 (gegenüber der IHK), in Bielefeld statt. Weitere Infos zum Event, den Referenten, zur Ticketbestellung und Anfahrt gibt es unter www.hric.de.

Exkurs zum Format: “Unkonferenz” in entspannter Atmosphäre

Im Gegensatz zu klassischen Kongressen mit festem Ablauf und zuhörendem Publikum setzten Unkonferenzen wie Barcamps und Open Space Events auf offenen Wissensaustausch und die gemeinsame Lösung von Problemen. Die Themen werden dabei meist erst am Veranstaltungstag festgelegt: Die Teilnehmer bringen Ideen ein und stimmen demokratisch ab, welcher Vorschlag als Session angeboten wird.

HR Inspiration Camp – alle Infos in Kürze

  • Das Event richtet sich an: Personalverantwortliche und alle Arbeitskultur-Interessierten, die sich aktiv zur Zukunft der Arbeit austauschen wollen und Praxis-Impulse suchen
  • Format: “Unkonferenz” – Impulsvorträge und offene, moderierte Workshop-Sessions nach dem Motto “Fragen, Diskutieren, Workshoppen, Erfahrungen austauschen, Probleme lösen”
  • Termin: Freitag, 26. Februar 2016, Start 9:30 bis ca. 18 Uhr
  • Veranstaltungsort: comspace GmbH & Co. KG, Elsa-Brändström-Straße 2-4, Bielefeld
  • Tickets: www.hric.de (Teilnahmegebühr 50 Euro)
  • Veranstalter: comspace, Connext / girls4IT, Die Talent-Werker, Trendbrause, ViaCon
  • Hashtag: #HRIC

Weiterführende Infos und Links zum Thema

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Dieser Text und der Veranstaltungshinweis stammen vom @probefahrer 

Die #ZukunftderArbeit kommt – und das ist auch gut so

Die #ZukunftderArbeit (aka Arbeit/en 4.0) kommt, unaufhaltsam – egal was wir von ihr halten. Sie ist Revolution und Evolution. Sie nimmt keine Rücksicht und kann uns zugleich neue Perspektiven eröffnen, zumindest wenn wir aufhören, nur über sie zu sprechen und beginnen sie aktiv zu gestalten. Unsicher ist: Wie die #ZukunftderArbeit tatsächlich aussieht. Sicher ist: Anders als bisher!

Wir haben es in der Hand die #ZukunftderArbeit mit einem klaren Fokus auf die menschliche Bedürfnisse zu gestalten, wenn wir unsere Haltung und Lebensart aktiv in diese Entwicklung einbringen. Lassen wir die Chancen ungenutzt verstreichen, steigt das Risiko, dass mit Arbeit 4.0 der Mensch gegenüber den reinen Marktkräften und den Algorithmen weiter verliert.

In den letzten Monaten haben sich 18 Autoren im Nachgang des BarCamps Arbeiten 4.0 Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte, unter welchen globalen Rahmenbedingungen wir arbeiten werden und welche ethischen Fragen mit dem Wandel der Arbeitswelt verbunden sind.

 

Konservativer Korporatismus verhindert das digitale Deutschland

Um aber die #ZukunftderArbeit im Sinne der einzelnen Menschen gestalten zu können, ist es an der Zeit zu realisieren, dass die technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen unseres globalen Arbeitsumfeldes auch in Deutschland ein Überdenken tradierter Denk- und Sichtweisen in allen Bereichen der Arbeitsmärkte bedingen. Wir sollten uns von den althergebrachten Sichtweisen der Lobbyverbände an den beiden Polen des Arbeitsmarktes verabschieden. In Deutschland misstrauen viele der disruptiven Kreativität. Ihre Möglichkeiten sind weithin unbekannt. So entsteht Angst vor Verlusten und Neuordnungen, die alte Strukturen aus den Angeln zu heben vermag. Als Reaktion darauf bleibt die Mehrheit der Firmen einem konservativen Korporatismus des rheinischen Marktwirtschafmodells treu.

New Digital Deal

Die Digitalisierung lässt zunehmend neue Formen entstehen über die wir unsere Wahrnehmungen und Befindlichkeiten ausdrücken. So bekommt die Zivilgesellschaft eine veränderte Stimme und ein neues Gesicht. Menschliche Digitalisierung der Arbeit verlangt unter anderem Authentizität, Selbstbestimmung sowie Teilhabe. Die #ZukunftderArbeit braucht die Ressource der Intelligenz der Menschen. Dazu gilt es, die gute alte hierarchische Ordnung zu überdenken. Denn wo im Netzwerk gearbeitet wird, stören Freigabeprozesse nur. Zudem wird in Netzwerken eine natürliche Führungsstruktur wirksam, die sich nicht selbstreferentiell verhält und damit weniger verwundbar oder anfällig zeigt. Das hebelt die bisher auf dem Arbeitsmarkt stillschweigend übliche Massenvereinbarung – Gehorsam gegen Entgelt – aus. Die damit sinnvoll verbundene Neuverteilung der Erträge kommt einer Revolution gleich.

Der „Neue Digitale Deal“ ermöglicht den Menschen auch in ihrem Arbeiten endlich die Freiheit, die die Digitalisierung für sie bereit hält und die sie im privaten Umfeld in vielfältiger Weise bereits heute schon intensiv nutz. Er macht das gegen das Interesse der Wahrer und der Bedenkenträger. Um die weitere Öffnung der Schere zwischen “privater- und arbeitsbezogener Freiheit” zu vermeiden, braucht es aus Politik und Wirtschaft eine breit initiierte Agenda “2030”, die den Umgang zwischen uns Menschen, den Organistaions- und Führungsstrukturen in denen wir Arbeiten und der digitalen Technik sinnvoll sowie wertbasiert verortet.

Digitale Transformation steht nur auf einem kulturellen Fundament stabil

Transformation bedeutet im Zuge dieses Digital Deals, über das Bestehende hinauszukommen, den nächsten logischen Schritt der Freiheit zu gehen, auf eine neue Stufe zu gelangen, den Status Quo hinter sich zu lassen. Mit Reförmchen gibt man die Chancen der Digitalisierung unserer Arbeit von vorne herein verloren. Neues Denken versteht die digitale Technik als Kulturtechnik. Die digitale Transformation beinhaltet immense Auswirkungen wie auch Potenziale – gerade für Deutschland. Bei den schlagkräftigen, etablierten Akteuren stehen weiterhin wohlfeile Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse im Vordergrund vor echtem Innovieren, womit diese die globalen Treiber der Entwicklung negieren und Deutschland in Richtung eines digital-sozialen Entwicklungslandes vor sich hindümpeln lassen.

Die #ZukunftderArbeit verlangt von uns – neben den technischen Aspekten der Digitalisierung – vielfältige ethische Herausforderungen zu lösen. Wir fordern von Unternehmen, hier glaubwürdige Antworten anzubieten. Nur so können sie, wenn überhaupt, im globalen War for Talents bestehen.

Vorurteile gegenüber digitalen Möglichkeiten abbauen

Wir brauchen den Mut, evolutionär und transformativ zu denken und Neues zu wagen. Das Bildungssystem ist derzeit Teil des Problems und nicht der Lösung. Hier bedarf es grundlegender Änderungen, damit sie substanzielle Beiträge zur Entfaltung der digitalen Potenziale leisten können und so große Teile der Bevölkerung erst an digitalen Chancen und Mehrwerten teilhaben lassen können. Die jüngeren Generationen wachsen bereits mit dieser neuen Kulturtechnik auf. Gleichzeitig halten sie auch weiterhin in Europa an diesen überholten Modellen fest, weil sie beständig mit den Vorbehalten konfrontiert werden. Jüngere Menschen in anderen Gesellschaften werden innovativer mit den Potenzialen verfahren können.

Soziale Sicherungs- und Steuersysteme neu denken

Der veränderte Umgang mit sozialen Systemen und die Entstehung neuer Steuerlogiken folgen zwangsläufig aus dem grundlegenden Wandel des Faktors “Arbeit” in der Wertschöpfung. Etliche Studien zeigen, dass die Digitalisierung jede Einkommenshöhe und jedes Qualifikationsniveau treffen kann.

Wird der Algorithmus und der Roboter der verlängerte Arm des Beschäftigten, fallen große Teile des Arbeitsmarktes durch die digitale Disruption weg und verlieren nationale Steuergrenzen in einem komplett globalisierten Wirtschaftssystem ihre Wirkung.

Es macht demnach Sinn, über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und eines supranationalen Steuersystems nachzudenken. Gleichwohl wird auch ein Grundeinkommen nicht die Fliehkräfte einer ungerechten Einkommensverteilung auffangen können. Hier bedarf es fundamental neuer sozialer Gesellschaftsdiskurse.

Gegen German Googlephobia in der Politik

Ein nationalstaatlicher Protektionismus im Politikfeld der Digitalisierung – Stichwort German Googlephobia – ist keine wirksame Handhabe gegen digital induzierte und disruptive Innovationen. Gesetze verhindern keine Ideen, deren Zeit gekommen ist. Die Welt um uns herum bewegt sich bereits in der Transformation der Arbeit. Mit oder ohne uns. Stillhalten heißt, dass Deutschland sich abhängen lässt.

Verschlafen wir die #ZukunftderArbeit einfach weiter, übernehmen andere die Verantwortung dafür. Wir verkommen dann zu einer Randerscheinung globalen Fortschritts. Den Weg von einer führenden Wirtschaftsnation zum Dritt-(Arbeits-)Welt-Land verkürzt die global dynamische Komplexitätssteigerung ebenso wie die stattfindende weltweite Digitale Transformation rapide. Oder aber weiter gedacht: Inwiefern ein nationalstaatlicher Wettbewerb heute überhaupt noch zeitgemäß erscheint, sollte in den politischen Kreisen des föderal zersplitterten Landes umfänglich diskutiert werden.

Megatrends verlangen nach einer Politik 2.0 und nach digitalen Bürgern

Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte an der Schwelle, dass künstliche Intelligenz unsere Arbeit in allen Lebensbereichen übernehmen kann. Damit stehen wir mehr als je zuvor am Scheideweg menschlichen Wirtschaftens. Wir können auf 100% Technisierung setzen und uns (soziale abgefedert) aus dem Produktions- und vielen Serviceprozessen zurückziehen oder die Maschinen und Computer weiter nutzen, um in den humanen Nischen noch besser zu werden: Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Oder wir können weiter den Kopf in den Sand stecken. Dann entscheiden eben andere über unsere Zukunft.

Wir plädieren für einen offenen Umgang mit der digitalisierten Arbeit. Die nächste Generation fragt uns dann mit Recht: Warum ward ihr die erste Generation, die den Schritt in die Zukunft verweigerte – aus reiner Angst vor der Wirksamkeit der Vielen? Die rein menschliche, analoge Arbeitskraft führte uns zur ungehemmten Ausbeutung von uns selbst und unseren natürlichen Ressourcen. Was ist dagegen einzuwenden, wenn uns künftig Algorithmen vor diesen selbstzerstörerischen Handlungen warnen? Wenn wir auf digitalem Weg, mit der Kreativität der Vielen, unabhängig von überkommenen nationalstaatlichen Grenzen und Denkräumen die globalisierten Herausforderungen der Menschheit anpacken?

– “Imagine … It’s easy if you try” by John Lennon –

Wir danken allen Autoren der Proklamation für ihre Beiträge und damit ihren engagierten Einsatz über das ursprüngliche BarCamp-Format hinaus. Wir konnten damit nicht nur über die Prinzipien der Zukunft der Arbeit – Transparenz, Kollaboration, Hierarchiefreiheit Partizipation – sprechen sondern diese während der Erstellung des Papers auch anwenden:

Jörn Hendrik Ast, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Lars M. Heitmüller, Sabine Jank, Sarah Kebbedies, Anke Knopp, Roland Panter, Nicola Peschke, Medje Prohm, Andre Schleiter, Gunnar Sohn, Sarah Staffen, Anja C. Wagner, Jan Westerbarkey, Birgit Wintermann, Ole Wintermann und Annette Wittke.

Darüber hinaus gilt unser Dank auch der Lektorin Esther Debus-Gregor für ihre Unterstützung beim Zustandekommen der Publikation.

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#NEO15 befasst sich mit (fehlender) digitaler Agenda der KMUs

Heute würde ich gern auf eine Veranstaltung des Publizisten Gunnar Sohn hinweisen, die am 9. und 10.11. in Bonn stattfindet und in den sozialen Medien unter #NEO15 gefunden werden kann. Gunnar ist auch schon auf unserem Blog im Vorwege unseres BarCamps aktiv gewesen.  Er ist u.a. Chefredakteur des Onlinemagazins NeueNachricht, ichsagmal.com-Blogger und schreibt für das Debattenmagazin “The European” sowie die “Netzpiloten”.

Die Veranstaltung möchte speziell die Verbindung zwischen dem Konzept der Plattformwirtschaft im Internet und den KMUs in Deutschland herstellen. Damit wird genau jene Zielgruppe angesprochen, der auch wir uns bereits mit dem BarCamp Arbeiten 4.0 gewidmet haben und dies auch in Zukunft noch weiter werden. Aufgrund des inzwischen großen digitalen Abstandes unserer hiesigen Wirtschaft zu den digitalen Playern nicht nur im Silicon Valley besteht ein großer Aufholbedarf und wir freuen uns über jede Veranstaltung, die diesen großen Abstand ein kleines bisschen verringert.

“Wirtschaft, die im Internet stattfindet, könne nach Auffassung des Netzexperten Christoph Kappes kaum mehr sinnvoll abgegrenzt werden von solcher, die nicht im Internet stattfindet: Stichworte wie industrielles Internet, Industrie 4.0, Smart Cities und die Aktivitäten der Silicon Valley-Giganten betreffen mittlerweile jedes Unternehmen, ob klein oder groß, ob produzierendes Gewerbe, Handwerk oder Dienstleistungen.

 

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“Die Hidden Champions des produzierenden Gewerbes, der Mittelstand und das Handwerk blicken auf ihre Erfolgsgeschichten und können sich mit den Herausforderungen der digitalen Transformation nicht so recht anfreunden. Die Lebenswelten der klassischen Wirtschaft und der Netzökonomie klaffen weit auseinander, nachhaltiger Austausch fehlt bisher”, moniert Marco Petracca.

Doch digitale Projekte leben von Dialog und dem Austausch von Wissen. Mittelständler sind sehr stark von ihrer Leistung geprägt, von Innovationen und Patenten und viele Unternehmen tun sich dabei schwer, das zu kommunizieren, was sie ausmacht.

“Denkansätze wie Sharing, Share Knowledge, Big Data und einer Kultur der Beteiligung zählen nicht zur DNA von Mittelstand und Handwerk. Betriebsgeheimnis soll Betriebsgeheimnis bleiben”, so Petracca. In der Netzökonomie ist hingegen jede Information auch eine Transaktion. Erfolgreich sind in Zukunft vor allem Unternehmen, die neue Netze knüpfen, Projekte wechseln, neuen Knoten im Netz Bedeutung geben und nationale Grenzen überschreiten. Die Netze haben offene Strukturen, können grenzenlos expandieren, neue Knoten einbeziehen und überflüssige rasch abschalten.

Mit den Erfahrungshorizonten von kleinen und mittelständischen Betrieben ist das noch nicht kompatibel. Hier besteht Änderungsbedarf in der Qualifikation von Mittelstand und Handwerk, damit die Entscheider gerüstet sind, wenn sie auf Wettbewerbsprobleme stoßen, die die Netzökonomie auslöst.

Ihre Leistungen würden online nicht funktionieren, lautet ein typischer und reflexartiger Satz von Industrievertretern. “Das kollidiert mit der Welt, in der man die Netflix-Aufladekarte mittlerweile an der Supermarkt-Kasse bekommt”, erläutert Petracca.

Die Netzszene wiederum liefert keine praxisrelevanten Lösungsvorschläge, um Änderungen zu bewirken. Zu diesen Kenntnissen kommen Wirtschaftsexperten, die in den vergangenen Monaten regelmäßig in Diskussionsrunden des „Netzökonomie-Campus“ Stellung bezogen haben.

Aus diesen Diskursen sind der Netzökonomie-Campus e.V. und als Dialog-Plattform die Next Economy Open in Bonn entstanden: Die Initiatoren haben es sich zum Ziel gesetzt, die Themen der Digitalisierung in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft auf eine Handlungsebene zu transportieren, die Konzerne, Mittelstand sowie Handwerk auch wirklich erreicht und nicht nur informiert, sondern aktiv unterstützt.”

Siehe dazu auch: 

Ideen von Unternehmern für Unternehmer: Wann ist eine Organisation digitalisiert? #NEO15 Sessions von @nextbusiness_it

Ort des Austausches, der Verknüpfungen und Möglichkeitsräume – Update für die #NEO15

Neue Unternehmenskulturen - mehr als eine Karte auf dem Flip-Chart?

Keine Frage der Erlaubnis: Vom mündigen Bürger zum mündigen Arbeitnehmer

Die älteren Semester unter uns (vielleicht kommt es auch heute beizeiten vor) kennen noch die entsetzte Frage der Studienberaterin, ob man denn wirklich nach seinen Neigungen studieren wolle oder sich nicht doch auch etwas „mit Substanz“ vorstellen könne.

Neigungen und besondere Kenntnisse jenseits des klassischen Karriereweges zu haben, wirkt hierzulande häufig immer noch verdächtig (selbst in der populären Jugendbuchliteratur findet sich der pädagogisch gewollte Antagonismus von „Broterwerb“ und „Neigungstätigkeit“). Neigungen zählen angesichts der Verpflichtungen, denen man Folge zu leisten hat, nichts. Vielmehr  behindern sie eher das eigene Fort- und Auskommen.

Ist denn aber nicht gerade Arbeit 4.0 eine Form der Neigungsarbeit und wieso hat es diese in der deutschen Arbeitskultur nach wie vor so schwer?

Die Digitalisierung steht in Deutschland generell unter dem Verdacht, als Instrument der „Machthaber der Technologien und Algorithmen“ dazu zu dienen, die Herrschaft über die Welt an sich zu reißen. Man muss sich schon arg wundern, in welcher Diktion hier die etablierten Vertreter der Offline-Kultur auf die digitalen Herausforderungen reagieren. Es ist erstaunlich, dass die Offliner seit dem Beitrag des CDU/CSU-Abgeordneten Heveling über die „digitalen Maoisten“ und den „digitalen Totalitarismus“ anscheinend nach wie vor ernsthaft vom Untergang des Abendlandes ausgehen. Dass hiermit CDU/CSU-Fraktionsmitglieder in seltener Eintracht mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) handeln, verwundert aber nur auf dem ersten Blick.

„Achtsam bleiben“ ist der Beitrag des DGB zur Digitalisierung überschrieben. Vielleicht ist gerade die Wahl einer solchen Überschrift die implizite Erklärung für die parteiübergreifende Ablehnung der neuen digitalen Realität. Da passt es dann auch ganz wunderbar ins Bild, dass ausgerechnet die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung immer wieder den demokratischen Charakter und den demokratischen Nutzen der Digitalisierung in Frage stellt. Aber auch an anderer Stelle wird der demokratische Charakter der digitalen Kommunikation in Frage gestellt.

Vielleicht ist die emotionale Reaktion auf neue digitale Logiken und Prozesse Zeichen der Erkenntnis, dass tradierte – eigene – Machtbereiche ins Wanken geraten?

Demokratie in Unternehmen als Folge von Arbeit 4.0?

Gerade erst ist unser BarCamp Arbeiten 4.0 in Berlin zu Ende gegangen (Berichte zum BarCamp finden sich beispielsweise bei Gunnar SohnWinfried FelserCapGeminiLars Hahn. Weitere Beiträge finden sich auf unserem Blog (Auswahl) von Gunter DueckKlaus BurmeisterRoland PanterJohannes KortenStephan Grabmeier).

180 Menschen haben sich einen Tag lang über die Konsequenzen der Digitalisierung für die Wirtschaft und die Unternehmen unterhalten. Es ging um die Abflachung der Hierarchien, den Verlust von Herrschaftswissen, das Einstellen auf disruptive Geschäftsmodelle, das Arbeiten in agilen Netzwerken und den Grad der Selbstbestimmtheit bei der eigenen Arbeit. All diese Themen behandelten demnach im Kern die Frage von Macht, Flexibilität und Interpretationshoheit. Bereits vor fast zwei Jahrzehnten ging es im Cluetrain-Manifest von David Weinberger um die Machtfrage: „Wir haben echte Macht und das wissen wir auch.“

Digitalisierung unter Verdacht: Warum hat es #Neigungsarbeit trotz #NewWork so schwer?

Wenn nun beides zusammen betrachtet wird – die emotionalen Reaktionen der Offliner auf die Digitalisierung und die Erkenntnis, dass diese mit Machtverlust der bisherigen politischen und wirtschaftlichen Entscheider einhergeht – so wird deutlich, warum der digitale Wandel von den etablierten Institutionen und den in ihnen arbeitenden Stakeholder nicht unbedingt willkommen geheißen wird; er stellt ihr Selbstverständnis in Frage.

Trotzdem müssen wir uns aber mit den vielen Herausforderungen, die der digitale Wandel für uns alle mit sich bringt, beschäftigen (eine schöne Übersicht über die Auswirkungen des Disruptiven auf gewohnte Geschäftsmodelle und -abläufe findet sich aktuell auf dem Cisco-Blog). Die Frage, wie wir dieses Problem überwinden können, kann vielleicht ansatzweise durch die Ergebnisse unseres Arbeiten 4.0 Camps beantwortet werden.

Wir müssen in den Unternehmen Brücken bauen

Die Kulturen der Off- und der Onliner scheinen sich nach wie vor kaum zu überschneiden. Wir müssen für gegenseitiges Verständnis der jeweils eigenen Sichtweisen werben. Wenn die Logiken der Rechtsabteilungen, der Kommunikationsabteilungen, des Controlling und der IT auf die Arbeiten-4.0-Logik von Angestellten trifft, kann es nur Probleme geben.

Eine unternehmensinterne IT hat strikte Vorgaben, die sich an Maßstäben wie Skalierbarkeit, Kontrolle und Sicherheit orientieren. Das Arbeitsumfeld des Angestellten wird aber zunehmend bestimmt von digitaler Souveränität, Unabhängigkeit von großen Systemen und dem eigenen digitalen Device – damit sind wir dank der Digitalisierung ein Stück weit auf dem Weg zum mündigen Arbeitnehmer. Diese Mündigkeit ist durch keine Richtlinie der Welt zurückzudrängen. Es wäre daher begrüßenswert, wenn Konzernstabsabteilungen die Angestellten, die für sie arbeiten, zunehmend als Menschen mit eigenen Vorstellungen und Kenntnissen ansehen würden.

Digitalisierung ist keine Frage der Erlaubnis

Allzuhäufig wird im Unternehmenskontext die Digitalisierung der Arbeitsumgebung als Frage der Erlaubnis betrachtet, nach dem Motto: „Ist die Anwendung von Elementen des Arbeiten 4.0 durch die Richtlinie XY gedeckt?“ Hierin liegt vielleicht das größte Missverständnis auf Seiten der Offliner. Die Zeiten, in denen Selbstbestimmtheit und Nachdenken „erlaubt“ werden müssen, sind vorbei.

Die digitalen Devices bieten die Möglichkeit, einen parallelen eigenen Kanal der Kommunikation, des Miteinanders und des Arbeitens zu eröffnen (dasselbe gilt übrigens auch im Kontext der Schule). Dass überbordende Richtlinien, die versuchen, den Deckel auf dem kochenden Topf zu halten, kontraproduktiv sind, ist längst erwiesen. Also liebe Offliner, findet euch an dieser Stelle am besten mit eurem Machtverlust ab.

Das Digitale muss regionaler werden

Lange Zeit hat man sich hierzulande mit der Außenwahrnehmung von Berlin als einem der globalen HotSpots der Digitalisierung und der Start-up-Szene beruhigt und die Situation in Berlin mit der im gesamten Deutschland fälschlicherweise gleichgesetzt. Hierbei geht es weniger um den Aspekt der digitalen Infrastruktur, bei der wir uns auf dem Niveau eines Entwicklungslandes bewegen, sondern vielmehr um den Aspekt der Entwicklungsreife der digitalen Kultur.

Die Fokussierung auf Berlin ist aber in einem mittelständisch geprägten Land und seiner dezentralen Wirtschaftsstruktur mehr als problematisch. Das Augenmerk von Politik und Wirtschaftsverbänden sollte daher in Zukunft sehr viel mehr auf die Region – auf das SmartCountry – gelenkt werden.

Die Region vor Ort ist der Lebens- und Arbeitsraum, der die Menschen tangiert, in dem sie Veränderungen erleben. Egal ob es um die smarte Energieversorgung, den Online-Service der Städtischen Bibliothek, die kommunale Breitbandversorgung oder die Einbeziehung des Bürgers in Politik und Unternehmen geht – all dies findet vor Ort statt. Schon wieder haben die US-Firmen in dieser Frage die Nase vorn. Es wird Zeit, dass wir diesen Rückstand aufholen.

Die Digitalisierung ermöglicht dem Arbeitnehmer sehr viel mehr, seinen Neigungen entsprechend zu arbeiten. Unternehmen sind gut daran beraten, dieses Potenzial der eigenen Mitarbeiter rechtzeitig zu erkennen. Hierfür müssen Brücken zwischen den digitalen Kulturen gebaut werden.

Dieser Beitrag ist zuerst auf dem NewWork-Blog erschienen.

Ticker Arbeiten40

Über Wartelisten und Tickets

Uns war natürlich klar, dass das Thema Arbeiten 4.0 nicht nur uns interessiert, sondern dass die dahinterstehenden Fragestellungen gerade sehr viele Akteure in Deutschland bewegen. Dass aber das BarCamp Arbeiten 4.0, das wir am 3. Juni in Berlin gemeinsam mit vielen Knowledge-Partnern durchführen werden, so viele Interessenten finden würde, hat uns dann doch ein wenig überrascht. Dieses große Interesse bestätigt uns zwar in unserem Versuch, nicht nur über die Zukunft der Arbeit in einer digitalen Welt zu theoretisieren, sondern die digitalen Arbeitsmittel und Formate auch tatsächlich zu nutzen, die eben für diese Zukunft des Arbeitens stehen. In jedem Fall war aber die Nachfrage nach den kostenlosen Tickets deutlich größer als die Zahl der verfügbaren Plätze.

Denn schon kurz nach dem Start der öffentlichen Ticket-Vergabe hatten wir die Kapazitätsgrenze der Veranstaltungsräume (Unter den Linden 1) erreicht – wir waren ausverkauft! Zwischenzeitlich haben wir versucht, auf größere Veranstaltungsräume auszuweichen, was aber letztendlich nicht möglich war. Insofern hatten wir zwar noch Plätze verfügbar, diese Kontingente waren aber bereits vorab für die Blogger und Knowledge-Partner verplant, die uns beim BarCamp unterstützen. Wir können daher an dieser Stelle nur um Verständnis dafür bitten, dass es neben den bereits vergebenen 120 Plätzen leider keine weiteren offenen Tickets für das BarCamp Arbeiten 4.0 geben wird.

Die Tatsache, dass aber über die zwischenzeitlich eingerichtete Warteliste inzwischen 200 weitere Menschen ihr Interesse angemeldet haben, hat uns noch intensiver überlegen lassen, wie wir diesem überwältigenden Bedarf an Information, Kommunikation und Austausch zur Zukunft der Arbeit gerecht werden können. Wir werden all das auswerten und im Nachgang des BarCamps für uns analysieren. Dieser Analyse wollen wir zwar hier nicht vorgreifen, das hohe Interesse kommt bei uns aber schon jetzt als deutliche Aufforderung an, das Thema längerfristig in den Fokus zu nehmen.

Nicht nur für diejenigen, die jetzt leider kein Ticket bekommen, wollen wir drei Dinge vorschlagen bzw. anbieten:

  • Sofern noch nicht geschehen: Abonnieren Sie unseren Newsletter, der maximal 2x wöchentlich per E-Mail über neue Inhalte auf dieser Plattform informiert (zum Newsletter-Formular). So bleiben Sie auf dem Laufenden und können sich auch – z.B. über die Kommentare zu den einzelnen Blogposts – an der Diskussion beteiligen.
  • Wir werden dem Thema Dokumentation einen sehr hohen Stellenwert zumessen, um die Ergebnisse Sessions nachhaltig zu sichern. Derzeit bereiten wir eine gebündelte Dokumentation aller Sessions vor, wie sie z.B. beim NetzpolitikCamp realisiert wurde. Weiterhin haben bereits einige Knowledge-Partner Interesse daran geäußert, sämtliche Inhalte des BarCamps kurz nach der Veranstaltung auch als gemeinsame Print-Publikation zur Verfügung stellen zu wollen.
  • Wir planen derzeit eine Session für das BarCamp, bei der wir mit den Teilnehmern diskutieren wollen, welche Formen und Möglichkeiten besonders gut geeignet sind, den begonnenen Dialog fortzuführen. Auch wenn dort erstmal nur die anwesenden Personen mitdiskutieren können, kann eine solche Session wiederum eine gute Basis für den weiteren Austausch sein.

Alles in allem wollen wir also dieses Blog hier, den Newsletter und natürlich auch das BarCamp Arbeiten 4.0 an sich als Dialog-Flächen nutzen, da wir glauben, dass dies der Sinn eines solch offenen Formats ist: Gemeinsam und offen Ideen entwickeln und Wirklichkeit werden lassen. Wir freuen uns daher auf die nächsten Wochen ebenso wie auf den 3. Juni und bitten nochmals diejenigen Menschen ohne Ticket um Verständnis für unsere Entscheidung.

Ole Wintermann
Projekt-Team BarCamp Arbeiten 4.0